In Gnotzheim gibt es jetzt die "Flexi-Schule"

Teilnahme am Modellversuch der Stiftung "Bildungspaket Bayern"


GNOTZHEIM - An der Astrid-Lindgren-Grundschule in Gnotzheim tut sich etwas: Mit dem Schuljahr 2012/2013 startet dort die „flexible Grundschule“, ein Modellversuch der Stiftung „Bildungspakt Bayern“ und des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Was sich genau dahinter verbirgt und welche Neuerungen Einzug halten werden, stellte Schulleiterin Ingrid Pappler nun der Öffentlichkeit vor.

Schon zum Schuljahr 2010/2011 lief das Projekt an 20 bayerischen Grundschulen an, jetzt soll es um 60 Schulen ausgeweitet werden. Erfolgreich um die Teilnahme beworben hat sich die Astrid-Lindgren-Grundschule in Gnotzheim. „Wir sind sehr stolz darauf, dabei zu sein“, freute sich Ingrid Pappler und schwärmte auch gleich ein bisschen: „So stelle ich mir Schule vor.“
Zunächst aber waren einige Hürden zu nehmen: Das Kollegium musste die Umstellung einstimmig befürworten, der Elternbeirat und der Sachaufwandsträger mussten ebenfalls mitziehen. Notwendig war die Bereitschaft zu einer Schul- und Unterrichtskultur mit dem Ziel der bestmöglichen individuellen Förderung der Schüler, die Bereitschaft, mit heterogenen Gruppen zu arbeiten, an der wissenschaftlichen Evaluation teilzunehmen und sich fortzubilden.

All diese Kriterien konnten schnell erfüllt werden, sodass dem Startschuss der „flexiblen Grundschule“ im Herbst nichts entgegensteht. Da es sich von den Schülerzahlen her angeboten hat, werden im September gleich zwei „Flexklassen“ gebildet, bestehend aus jeweils neun Erstklässlern und acht Kindern aus der zweiten Jahrgangsstufe.
Gleich beim Eintritt in die „flexible Grundschule“ absolvieren alle Schüler eine standardisierte Leistungserhebung. Damit können die Ressourcen der Kinder herausgefiltert werden, „und wir können noch intensiver auf das einzelne Kind eingehen, sowohl im kognitiven als auch im sozial-emotionalen Bereich“, erläuterte Ingrid Pappler.

Am Ende des ersten Schuljahrs folgt ein weiterer Test, ein dritter am Ende des zweiten Schuljahrs gibt Aufschluss darüber, ob der Schüler die Grundkompetenzen erreicht hat. Ist das der Fall, rückt das Kind in die dritte Klasse vor, die dann wieder eine ganz normale „Regelklasse“ ist.

Ist ein Kind aber noch nicht so weit, kann es in der „Flexklasse“ bleiben und in seinem eigenen Tempo weiterlernen. Dieses zusätzliche Jahr wird nicht auf die Pflichtschulzeit angerechnet, und der Schüler gilt nicht als Wiederholer, betonte die Rektorin, die schon einige Fortbildungen zu dem Thema absolviert hat.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass ein Kind den Stoff der ersten beiden Klassen in nur einem Jahr erlernt. Dann kann es gleich nach dem ersten Schuljahr in die dritte Klasse wechseln. Über die Verweildauer beraten Eltern und Schule gemeinsam, die Entscheidung darüber liegt jedoch letztendlich bei den Eltern.

Wie es in dem Konzept heißt, wird die Unterschiedlichkeit der Schüler einer jahrgangsgemischten Klasse gezielt für das Lernen miteinander und voneinander genutzt. Die Schulanfänger erfahren so von Beginn an die Unterstützung durch die älteren Mitschüler. Diese wiederum erleben sich als Könner, übernehmen Mitverantwortung und gewinnen dadurch an Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Zudem wird an die Erfahrungen aus dem Kindergarten angeknüpft: Von dort ist zum einen die Altersmischung bekannt, und die vertraute Situation des miteinander Arbeitens und Lernens in unterschiedlichen Arbeitsgruppen wird fortgeführt. Aber es kommen nicht nur auf die Schüler so manche Neuerungen zu, auch die Lehrkräfte müssen ihren Unterricht neu denken und gestalten.

Freiarbeit, Lerntheken, individueller Übungsplan, offene Aufgaben, Wochenplan und Leseteams sind nur einige Stichwörter, die der Modellversuch mit sich bringt. Vieles davon sei jedoch bereits im Lehrplan verankert, so Ingrid Pappler weiter, die in ihren Klassen schon seit Jahren immer wieder neue Wege geht. Unterstützung von der Stammschule Individuelles Lernen erfordert zudem eine individuelle Leistungserhebung.

Die engagierte Schulleiterin setzt hier zum einen auf ihre Erfahrung, zum anderen auf die Betreuung durch die ersten 20 Modellschulen, die nun als Stammschulen fungieren und jeweils drei neuen Schulen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Stammschule für Gnotzheim ist die Grundschule Höchstädt in Schwaben. Jeweils am Ende einer Lerneinheit wird es demnach individuelle Lernzielkontrollen geben, ab und an auch gemeinsame. Das Kollegium in Gnotzheim hat sich zudem für ein dokumentiertes Lerngespräch anstelle eines Zwischenzeugnisses entschieden. Diese Gespräche werden zwischen Eltern, Kind und Lehrer geführt. Grundlage dafür sind ein Beobachtungsbogen und ein Selbsteinschätzungsbogen.

Ein ganz wichtiger Punkt des Konzepts ist die Elternpartnerschaft. „Wir werden viel im Gespräch sein“, kündigte Ingrid Pappler an und bot außerdem eine offene Klassenzimmertür an. Somit können Eltern einen Tag lang das Unterrichtsgeschehen mit erleben. Bei einem Elternabend informierte sie die Mütter und Väter über den Modellversuch, stellte die Lernmethoden vor und gab einen Einblick in die anstehenden Veränderungen. Vor allem die Zusammensetzung der beiden künftigen „Flexklassen“ stieß dabei auf reges Interesse.

Nach pädagogischen Gesichtspunkten werden die Lehrer eine Liste anfertigen, die, wie Ingrid Pappler versicherte, rechtzeitig bekannt gegeben wird. Sollte es Änderungswünsche von Seiten der Eltern geben, werde sie versuchen, diese, soweit sie sinnvoll sind, zu erfüllen. Mit vielen durchdachten und interessierten Fragen zeigten die Eltern ihr Interesse an der „flexiblen Grundschule“, und sowohl Bürgermeister Josef Weiß als auch Schulrat Hermann Balk sicherten ihre Unterstützung zu, damit der Modellversuch gelingen kann und irgendwann flächendeckend in Bayern eingeführt werden kann.

 

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